Pressemitteilungen

05.05.2020

1. Mai in Berlin

Journalisten im Visier

In Berlin wurde am 1. Mai nicht nur ein Team des ZDF angegriffen. Eine freie Fernsehjournalistin wurde von einem Polizisten mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Sind wir in der Hauptstadt jetzt Freiwild?

Zerstörte ZDF-Ausrüstung: Journalisten als Freiwild? Foto: Christoph Soeder/picture-alliance

Vom ruhigsten 1. Mai seit Jahren sprachen Kommentatoren am Wochenende mit Blick auf die ausgebliebenen alljährlichen Krawalle in Berlin. Was so ruhig für die Sicherheitskräfte ablief, war für einige Journalisten schmerzhaft - und das im wörtlichen Sinne. Am Nachmittag des 1. Mai wurde ein Kamerateam der ZDF-heute show angegriffen und krankenhausreif geschlagen. Die Täter? Unbekannt. Erst war die Rede von Coronademonstranten, dann von Angehörigen des linksextremen Spektrums. Vier Tage danach tappen die Ermittlungsbehörden immer noch im Dunkeln.

Bei der massiven Polizeipräsenz in Berlin am Maifeiertag drängt sich die Frage auf, ob eigentlich kein einziger Polizist etwas von der Prügelattacke auf die ZDF-Kollegen mitbekommen hat.

Wie erst gestern Abend bekannt wurde, war das nicht der einzige Zwischenfall, von dem Berichterstatter betroffen waren. Eine freie Fernsehjournalistin wurde in Berlin-Kreuzberg ebenfalls am 1. Mai Opfer eines brutalen Angriffs: Ein Polizist schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Prellungen und ausgeschlagene Zähne waren die Folge. Am nächsten Tag erstattete sie Anzeige. "Ein Fachkommissariat für Beamtendelikte führt die Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt", heißt es nüchtern in der Pressemitteilung der Berliner Polizei. Die Kollegin war mit ihrem Team Zeugin einer Festnahme gewesen. Sollte sie das nicht filmen? War das Grund genug dafür, dass ein Beamter ausrastete? Und warum hat nicht ein anderer Polizist den Vorfall sofort gemeldet?

Was ist los in der Hauptstadt? Gelten Journalisten als Freiwild? Die Berliner Polizei hat eine Menge Fragen zu beantworten.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner