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05.02.2020

Interview

Buhrows vorauseilender Gehorsam

WDR-Intendant Tom Buhrow hat im Interview mit dem Deutschlandfunk über die Kommunikation des WDR und der ARD gesprochen. Und by the way dem Kampf für einen deutlich höheren Rundfunkbeitrag eine Absage erteilt.

Tom Buhrow: streng defensiv. Foto: Horst Galuschka

18,36 Euro. Das ist die Summe, auf die der Rundfunkbeitrag steigen könnte, wenn es nach der KEF geht. Für jeden weiteren Cent müssten die öffentlich-rechtlichen Sender in den Clinch gehen. Was auch nötig wäre, weil die Steigerung in Wahrheit keine ist. Im Interview mit dem Deutschlandfunk hat der Intendant des WDR und Vorsitzende der ARD Tom Buhrow das zwar richtig analysiert, aber gleich schon die Waffen gestreckt, bevor der Kampf angefangen hat.

 

Statt zu sagen: "Mit unserer geballten kommunikativen Kraft werden wir für einen höheren Rundfunkbeitrag werben" oder "Die Ministerpräsidenten müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und uns einen höheren Rundfunkbeitrag zubilligen", blieb Buhrow defensiv: "Es wird wahrscheinlich überhaupt nicht anders gehen, als dass wir uns die ganze ARD angucken und dass jede Landesrundfunkanstalt – das wird übrigens Deutschlandfunk auch nicht erspart bleiben – auch noch nach innen guckt und für sich guckt, wie sie sich komplett neu aufstellt und wo sie Prioritäten setzt." Und weiter: "Ich kann jetzt da keine Liste vorlegen. Weil das wird noch viele, viele, auch schmerzhafte, aber auch ernsthafte Diskussionen erfordern, um da zu Prioritäten zu kommen."

 

Im Klartext: Tom Buhrow meint offensichtlich, dass die Schrumpfkur, der er den WDR in den letzten Jahren  unterzogen hat, die Blaupause für den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist. Als ob es im Informationsbereich von ARD und ZDF noch groß was einzusparen gäbe.

 

Mindestens genauso schlimm ist die weiße Flagge, die er mit solchen Äußerungen gegenüber der Politik hisst. Die Journalistinnen und Journalisten, aber auch alle anderen Beschäftigten der ARD-Anstalten hätten einen ARD-Vorsitzenden verdient, der in die Offensive geht. Tom Buhrow ist das nicht.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner