Pressemitteilungen

20.05.2020

Verschwörungstheorien

Aluhüte allerorten

Wer als Medium in diesen Tagen etwas auf sich hält, widmet Verschwörungstheorien und ihren Urhebern gleich mehrere Seiten. Aufklärung oder ein herbeigeschriebener Hype?

Aluhut: Gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit. Foto: Der Standard

Die Gemeinsamkeiten stechen ins Auge: Das Coronavirus und die Verschwörungstheorien nehmen exponentiell zu, suchen sich wahllos ihre Wirte aus, von denen aus sie sich weiter verbreiten. Und je mehr Menschen weltweit das Virus in sich tragen, desto mehr Anhänger der kruden Gedanken scheint es zu geben. Die Wochenzeitung Die Zeit hat den wirren Thesen ein Dossier gewidmet, der Spiegel zog zwei Tage später nach, die taz hat das Thema heute seitenweise beleuchtet, um nur einige bekannte Medien zu nennen. Ein Massenphänomen also, der Aluhut als virtuelle Kopfbedeckung ganzer Völkerscharen von Internetnutzern? Den Eindruck kann gewinnen, wer die Titelgeschichten von Zeitungen und Zeitschriften miteinander vergleicht.

Schön wäre es, wenn der Hype um die Verschwörungstheorien herbeigeschrieben wäre. Ist er aber nicht. Denn die Fake News-Apostel machen sich unübersehbar in der Gesellschaft breit, versuchen Diskussionen in ihre Richtung zu lenken und andere Menschen mit ihren Ängsten, Aggressionen und Vorurteilen anzustecken. Dabei drohen Vernunft und Aufklärung auf der Strecke zu bleiben. Und damit bekommt auch der Journalismus ein Problem, wenn das ungezügelt so weiter geht.

Denn Wahrheitsleugner interessieren sich nicht für Grundwerte wie die Pressefreiheit, sondern versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, andere Meinungen als die eigenen zu unterdrücken. Dass das so ist, zeigen die zunehmende Aggressivität und die Übergriffe bei Corona-Demos auf Journalisten. Das ist (noch) kein Alltagsdelikt, aber ein gefährliches Warnzeichen.

Die ausführlichen journalistischen Darstellungen der Verschwörungsszene in den Medien verhindern das nicht, aber sie können helfen, dass mehr Menschen den Aluhüten auf den Leim gehen.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner