10.10.2017

SPIEGEL / Medienkritik

Wer betreibt hier eigentlich Politik?

Warum genau springt jetzt auch der SPIEGEL auf den Zug auf und reproduziert den ideologisch gefärbten Begriff „Staatsfunk“?

Das haben sich viele aus der Medienbranche gefragt, als am vergangenen Samstag die SPIEGEL-Story „Unheimliche Macht - wie ARD und ZDF Politik betreiben“ erschien. Besonders der „Staatsfunk“-Kommentar von Jan Fleischhauer sorgte für Irritation.


Am gestrigen Montagabend haben sich mit ZAPP-Redaktionsleiterin Annette Leiterer, DLF-Redakteur Stefan Koldehoff und dem ARD-Vorsitz nun die Angeprangerten selbst zu Wort gemeldet, um sich gegen die heftige Kritik zu verteidigen, die das Nachrichtenmagazin erhoben hat. Unter anderem wird den Autoren vorgeworfen, "Schmähkritik" zu betreiben. Abwegig ist das nicht. Dem Journalismus erweist es jedenfalls einen Bärendienst, das Vokabular der „Lügenpresse-Schreihälse“, Verschwörungstheoretiker und - leider auch das von Verlegerlobbyist Mathias Döpfner - salonfähig zu machen.

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist mangelnde Rechereche. Sicher, das öffentlich-rechtliche System ist komplex. Aber zu komplex für den SPIEGEL? Eher nicht. Trotzdem wird in der Geschichte vieles ausgespart, was für das Gesamtverständnis der Leser wichtig gewesen wäre. Der Hörfunk etwa bleibt komplett ausgeklammert. Oder, dass öffentlich-rechtliche Angebote wie die „Tagesschau“ täglich Millionen Menschen in sozialen Medien erreichen und diese Kanäle mittlerweile ganz selbstverständlich für den kritischen Publikumsdialog nutzen. Im Beitrag kommen aber nur die Nörgler aus den Kommentarspalten zu Wort. Gänzlich unerwähnt bleibt leider auch, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio sich aktuell sehr wohl mit Strukturreformen befassen und kürzlich entsprechende Berichte vorgelegt haben. Und die Debatte über die - zweifelsohne notwendige - Digitalisierung und Modernisierung der Sender ist übrigens auch andernorts in vollem Gange. Anstatt diese Entwicklungen abzubilden, stellen die SPIEGEL-Autoren jedoch abschließend lieber selbst medienpolitische Forderungen auf. Das hätte es schlicht nicht gebraucht.

Ein Kommentar von Anna-Maria Wagner