30.01.2019

VW-Einladung

Wenn Autokonzerne die Presse zensieren

Volkswagen lädt eine handverlesene Gruppe von Journalisten zur Modellpräsentation. Die müssen sich zuvor der Konzernzensur unterwerfen. Das geht gar nicht.

VW-Emblem Foto: Bruno Kussler Marques / CC BY

"Horizont"-Reporterin Ulrike Simon hat mit der Veröffentlichung einer VW-Einladung an Journalisten die mitunter seltsam anmutenden Sitten bei Konzernpressestellen einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Die Wolfsburger wollten in diesem Fall die Teilnehmer einer Modellpräsentation verpflichten, auf Mitschriften und Aufzeichnungen zu verzichten und ihre Berichte vor Veröffentlichung von der VW-Pressestelle kontrollieren und ändern zu lassen.

 

Natürlich wollen Konzerne Einfluss darauf nehmen, wer als erster über ihre neuen Produkte berichtet und vor allem darauf, wie diese Berichte ausfallen. Das Bilder, Leistungsdaten und Preisgestaltung eines neuen Automodells nicht zu früh an die Öffentlichkeit geraten sollen, ist ebenfalls legitimes Interesse eines Herstellers. Das lässt sich in einem fairen Umgang regeln. Bestimmte Informationen (noch) nicht zu veröffentlichen, ist auch mit der üblichen Ansage möglich, gewisse Dinge nur "unter drei" mitzuteilen.

 

Doch was soll eine solche Veranstaltung mit derart restriktiven Vorgaben? Wer die freie Presse bei einer Produktpräsentation mit an Bord haben möchte, muss ihre Spielregeln akzeptieren. Wer dazu nicht bereit ist, muss sich den Vorwurf der Zensur und des Manipulationsversuches gefallen lassen. Teilnehmende Journalisten kann man nur ermutigen, sachlich nicht nachvollziehbare Eingriffe seitens der Pressestelle publik zu machen - oder auf eine Veröffentlichung ganz zu verzichten.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.