13.02.2019

Falsche Presseausweise

Genau hinsehen

Der Missbrauch des Presseausweises wird politisch. Nicht mehr nur Schnäppchenjäger, sondern auch Rechtsextremisten setzen falsche Presseausweise ein. Wann wachen die Innenminister auf?

In einer akribischen Recherche weist Zeit Online nach, dass falsche Presseausweise zunehmend von Rechtsextremisten benutzt werden, um durch Polizeiabsperrungen zu gelangen und linke Gegendemonstranten sowie Journalisten zu provozieren. Für die Anbieter von Fantasieausweisen ist dadurch die Zielgruppe deutlich angewachsen: Es sind nicht mehr nur Schnäppchenjäger und Sensationsgierige, die die falschen Ausweise online ordern, sondern seit einiger Zeit auch Nazis.

 

Immerhin scheinen die materiellen Vorteile der falschen Ausweise inzwischen gegen null zu tendieren. Offenbar waren die Warnungen, etwa des DJV, erfolgreich: Unternehmen, Messeveranstalter und Institutionen wissen inzwischen, dass es den Presseausweis für die journalistischen Profis gibt und wie er aussieht. Andere Plastikkarten haben kaum noch eine Chance.

 

Die Schwachstelle ist die Polizei. Denn obwohl die Innenminister den Presseausweis, der von DJV, dju, dem Presserat und den Verlegerverbänden herausgegeben wird, offiziell anerkannt haben, scheinen viele Polizeibeamte immer noch nicht zu wissen, dass andere Ausweise wenig mit Presse und viel mit Missbrauch zu tun haben. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern im Zusammenhang mit Demos und Aufmärschen von Rechtsextremisten richtig gefährlich. Da kann es nämlich hart zur Sache gehen, wenn Nazis mit angeblichen Presseausweisen durch Absperrungen schlüpfen und Gewalt ausüben.

 

Also, liebe Polizei: So sieht der "richtige" Ausweis aus. Und zusätzliche Informationen gibt es hier. Man muss nur mal drauf schauen.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner