08.08.2017

Dieselgate

Der Wert der Recherche

Dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil seine Regierungserklärung von Volkswagen redigieren ließ, sorgte bei den Oppositionsparteien in Hannover für einen Aufschrei der Empörung. Dass sie längst darüber informiert waren, brachte journalistische Recherche jetzt ans Licht.

Die Bild am Sonntag brachte den Stein ins Rollen: Sie deckte auf, dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil im Oktober 2015 den Entwurf seiner Regierungserklärung zur Diesel-Affäre von VW redigieren ließ - und dass er zahlreiche Änderungen übernahm. Für die oppositionelle CDU war das Maß damit voll: Rufe nach seinem Rücktritt wurden laut.

 

Das politische Kriegsgeheul dürfte jetzt erst mal verstummen. Denn mehrere Medien, darunter die Süddeutsche Zeitung, fanden jetzt durch akribische Recherche heraus, dass der Vorgang seit einem Jahr bekannt war - zumindest im Wirtschaftsausschuss des Niedersächsischen Landtags. Dort soll intensiv und ausführlich über das Verhältnis der Landesregierung zum größten Unternehmen des Landes diskutiert worden sein.

 

Warum diese Recherchen wichtig sind? Weil gerade in Wahlkampfzeiten politische Parteien am wenigsten Interesse daran haben, der Wahrheit den Weg zu bereiten. Mehr denn je bedarf es dann kritischer Recherchen und mutiger Journalisten, die sie veröffentlichen. Gut gemacht, liebe Kollegen!

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner