10.10.2017

Fake News klickt gut

Der gefährliche Ritt auf der Kanonenkugel

Willkommen im Zeitalter der Münchhausens. Was ist eigentlich noch wahr, was ist erfunden und was spielt das überhaupt noch für eine Rolle? Und: Kann uns das nicht egal sein?

Hauptsache der Rubel rollt, denken sich derzeit weltweit so einige offenbar phantasievolle Menschen, die sich darauf spezialisiert haben, erfundene Geschichten als wahre zu streuen und damit Geld zu machen.


Derlei Täuschungen und Fälschungen sind natürlich mitnichten neue Phänomene, vielmehr sind sie wohl  so alt wie die Menschheit selbst. Auch in der Moderne waren sie nie ausgestorben. Erwähnt seien nur die Hitler-Tagebücher oder Tom Kummers Hollywood-"Interviews". Bis die Sache aufflog, konnten die Autoren solcher Geschichten in der Regel ganz gut Geld damit machen. 


Der Antrieb, zu täuschen und Fälschungen zu streuen, hat jedoch im Zeitalter der Digitalisierung exponentiell zugenommen. Je abstruser die Geschichte, desto mehr Geld lässt sich verdienen, kann man beinahe behaupten. Neu ist dabei auch, dass Webseiten, die es sich zu Verdienstzwecken zur Aufgabe gemacht haben, derlei Fake News zu streuen (die Menschen ja auch ganz massiv schaden können!), gar keinen Hehl mehr daraus machen, dass es sich um Fake News handelt. Gerade in Niedriglohnländern denken sich immer mehr Menschen derlei Geschichen aus. Dass es auch nicht gerade wenige politisch motivierte Geschichten gibt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Es sind aber eben nicht nur die politisch motivierten Antriebe, sondern vielfach auch das reine Geld verdienen, was derzeit Sorge macht.


"Wer war der Mann, der am vergangenen Montag Feuer und Tod über Las Vegas brachte? Ein Linker? Ein Islamist? Mindestens. Man müsse nun "das Narrativ kontrollieren", hieß es nach dem Attentat im notorischen Troll-Forum 4chan. Die gar nicht mal so feine Ironie, dass ausgerechnet diejenigen, die immer gegen vermeintlich systemgesteuerte Mainstream-Medien wettern und Fake News schreien, nun selbst Nachrichten frei assoziieren, um damit den "Mainstream" zu kontrollieren, ist den selbsternannten Spin-Doktoren wohl entgangen. Oder sie war ihnen egal, schließlich hatten sie Erfolg. Ihr Text, der einen falschen Namen, eine falsche Person und ein falsches Motiv nannte, landete auf dem ersten Platz in Googles Nachrichtensystem", schreibt Michael Moorstedt in der Süddeutschen Zeitung.


Was aber können wir alle, egal ob Journalisten oder nicht, gegen derlei Täuschung tun?Darüber diskutieren am kommenden Montag im Deutschlandradio Funkhaus Berlin auf Einladung der Initiative Qualität unter anderem Prof. Dr. Tanjev Schultz (Universität Mainz), Rike Woelk (ARD-Faktenfinder), Jutta Kramm (Fact-Checking Ressort Correct!v), Stefan Niggemeier (Übermedien), Prof. Dr. Stephan Ruß-Mohl (EJO), Mario Sixtus (ZDF-Autor).

Denn es spielt durchaus eine Rolle, um auf die Anfangsfrage zurückzukommen, ob auf die Informationen, die gestreut werden, Verlass ist.  Das ist kein Selbstzweck, sondern nötig, um die Demokratie nicht zu gefährden. Vom Schaden, der mit solchen News bei Einzelnen oder Gruppen angerichet werden kann, einmal ganz zu schweigen. Die Teilnahme an dem Forum ist nach Voranmeldung kostenlos.

 

Ein Kommentar von Eva Werner