DJV-Lexikon: Behinderung und Selbständigkeit

Da es sich bei der freien journalistischen Tätigkeit um einen Bereich mit besonders niedrigen Honoraren handelt, wird eine Existenzgründung hier noch einmal besonders kritisch zu prüfen sein. Dabei sollte vor allem das Tätigkeitsprofil eine Rolle spielen. Wer beispielsweise in erster Linie auf die Erstellung von redaktionellen Beiträgen setzt, wird das auch gut im Rollstuhl ausüben können. Gleiches wird natürlich gelten, wenn beispielsweise als freier Bildredakteur gearbeitet wird, der im Auftrag Bilddatenbanken durchforstet. Auch hier ist der Rollstuhl oder eine schwere Gehbehinderung eher kein Problem. Gleiches dürfte für Beratungstätigkeiten und Aktivitäten im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gelten, wo sich Besprechungstermine gut im Voraus vereinbaren lassen und Kunden auch verständnisvoll im Umgang mit Menschen mit Behinderungen sein dürften.

Weniger Erfolg versprechend erscheint dagegen die Gründung, wenn vor allem aktuelle O-Töne, Bilder, Nachrichtenfilme produziert werden sollen. Die zahlreichen Hürden an Einsatzorten und das ohnehin geringe Honorar für Originaltexte, O-Töne, Bilder und aktuelle Nachrichtenberichte lassen es als sehr schwierig erscheinen, dass Termine in ausreichender Zahl wahrgenommen werden und ausreichende Honorare erzielt werden können. Allerdings kommt es natürlich auch hier auf den Einzelfall an.

Wer seine O-Töne über Telefon, Skype, Webinartechnik oder Bürotermine einholt, kann beispielsweise auch in diesem Fall einiges unternehmen. Wer Beiträge, Bilder, Dokumentarfilme oder TV-Features ohne Aktualitätsdruck produziert, wird auch im Rollstuhl oder bei sonstiger Behinderung vieles von dem produzieren können, was Menschen ohne Behinderungen anbieten. Manches mal sogar mehr, weil mit einem anderen Blick produziert wird, - manchmal sogar im wahrsten Sinne blind.

Das Beispiel eines behinderten Kollegen, der auch im Rollstuhl Filme produziert, findet sich hier.


§ 33 SGB IX Selbständigkeit und Behinderung

(1) Zur Teilhabe am Arbeitsleben werden die erforderlichen Leistungen erbracht, um die Erwerbsfähigkeit behinderter oder von Behinderung bedrohter Menschen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben möglichst auf Dauer zu sichern.

(3) Die Leistungen umfassen insbesondere

5. Gründungszuschuss entsprechend § 93 des Dritten Buches durch die Rehabilitationsträger nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 bis 5

§ 21 Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung

Hilfen zur Gründung und Erhaltung einer selbständigen beruflichen Existenz

(1) Schwerbehinderte Menschen können Darlehen oder Zinszuschüsse zur Gründung und zur Erhaltung einer selbständigen beruflichen Existenz erhalten, wenn

1. sie die erforderlichen persönlichen und fachlichen Voraussetzungen für die Ausübung der Tätigkeit erfüllen,

2. sie ihren Lebensunterhalt durch die Tätigkeit voraussichtlich auf Dauer im wesentlichen sicherstellen können und

3. die Tätigkeit unter Berücksichtigung von Lage und Entwicklung des Arbeitsmarkts zweckmäßig ist.

(2) Darlehen sollen mit jährlich 10 vom Hundert getilgt werden. Von der Tilgung kann im Jahr der Auszahlung und dem darauf folgenden Kalenderjahr abgesehen werden. Satz 2 gilt, wenn Darlehen verzinslich gegeben werden, für die Verzinsung.

(3) Sonstige Leistungen zur Deckung von Kosten des laufenden Betriebs können nicht erbracht werden.

(4) Die §§ 17 bis 20 und die §§ 22 bis § 27 sind zugunsten von schwerbehinderten Menschen, die eine selbständige Tätigkeit ausüben oder aufzunehmen beabsichtigen, entsprechend anzuwenden.

Zuständig für Anträge ist das örtliche Integrationsamt. Diese informieren auch über die Internetseite www.integrationsaemter.de und die Zeitschrift "ZB - Behinderte Menschen im Beruf"

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter bietet auch eine Online-Akademie mit kostenlosen Kursangeboten.